... sehen Sie mal rein!

Integrative Fahrten

für Kinder und Jugendliche mit und ohne Behinderungen


Siehe auch: Integrative Ferienfahrten

Ein wichtiger Bestandteil der evangelischen Jugendarbeit ist es, Verständnis und Toleranz gegenüber Randgruppen in unserer Gesellschaft zu entwickeln. So werden durch die evangelischen Kirche in Berlin-Brandenburg schon seit über 20 Jahren Integrative Fahrten für Kinder und Jugendliche mit und ohne Behinderung durchgeführt. Während der DDR-Zeit fanden diese Fahrten ohne Unterstützung des Staates statt. Diese Fahrten haben so eine lange Tradition und finden bei behinderten und nicht-behinderten Teilnehmern aus Berlin, Brandenburg und anderen Bundes­ländern großen Anklang.



Vier Aspekte sind für diese Integrativen Ferienfahrten von hervorzuhebender Bedeutung:


Zum ersten Aspekt der Toleranz:


Diese als bundesweit ausgeschriebene Ferienfahrten sollen das Zusammenleben auf Zeit von jungen Menschen aus verschiedenen Bundesländern auch unter den Aspekt der Behinderung ermöglichen. Diese Kurse im Land Brandenburg abzuhalten ist dringenst geboten, da einer gefährlichen Tendenz der Zunahme der Intoleranz auch gegenüber Jugendlichen aus anderen Bundesländern hier zu verzeichnen ist. Diese Kurse, die ja nicht abgeschottet von der Umwelt stattfinden, sollen in der Öffentlichkeit sichtbare Zeichen des Zusammen­wachsens der beiden Teile Deutschlands setzen.



Zum zweiten Aspekt der Behinderung:


Kinder und Jugendliche mit Behinderungen haben aufgrund ihrer Behinderung nur einen einge­schränkten Bezugskreis in ihrem Alltag. Dieses sind i.d.R. die Körperbehinderten- bzw. Geistig­behinderten­schule, die Werkstatt für Behinderte und ihre Familie. Die Integrativen Fahrten ermöglichen es dem Kind bzw. Jugendlichen mit Behinderung diesen oben beschriebenen Tageskreis zu durchbrechen und neue Bezugspersonen und Erlebniskreise (auch in entsprechender Entfernung von der häuslichen Umgebung) zu finden. Diese Fahrten sind eine tatsächliche Horizont­erweiterung.


Jeder Teilnehmer mit Behinderung hat auf der Fahrt seinen nicht-behinderten Partner, mit dem er auch ein Zimmer gemeinsam teilt. Er muss sich nun auch mit anderen Bezugspersonen auseinandersetzen und auch Verständnis für seinen Partner entwickeln.



Der dritte Aspekt ist der des Nicht-Behinderten:


Die nicht-behinderten Jugendlichen, welcher i.d.R. keinen oder kaum Kontakt zu Behinderten haben, lernen mit diesem gemeinsam leben. Sie erleben die Welt des Behinderten aus nächster Nähe. - Sie machen Erfahrungen integrativer Art. Fachliche Informationen und praktisches kritisches Erleben untermauern diesen Prozess.


Besonders hervorzuheben ist, dass sich in der Vergangenheit Freundschaften zwischen den nichtbehinderten und behinderten Teilnehmern entwickelt haben und diese zum Teil über Jahre hinweg schon bestehen. Die Jugendlichen werden mit der Praxis des Lebens eines Menschen mit Behinderungen konfrontiert und korrigieren ihre theoretischen Bilder vom „Behindert-sein“. Weiterhin entwickeln die Jugendlichen Toleranz gegenüber anderen Randgruppen unserer Gesellschaft.



Der vierte Aspekt ist der der Entlastung der Eltern:


Eltern von (zum Teil mehrfachschwerst-) behinderten Kindern, haben in der Regel ihr gesamtes Leben an den Bedürfnissen der behinderten Kinder ausgerichtet. Der Tagesablauf ist z.T. auf Arztbesuche, Behördengänge, Therapie etc. ausgerichtet. Zum Teil wird auf Urlaubsreisen, Theater, Kino etc. deswegen verzichtet. Bei diesen Familien besteht die Gefahr, sich in Isolation gegenüber ihrer Umwelt zu begeben. Diesem wird hiermit auch entgegengewirkt.


Diese Fahrten ermöglichen es vielen Eltern, das erste Mal ihre behinderten Kinder für eine kurze Zeit loszulassen und teilweise erstmals nach Jahren eine kurze Zeit des Kraftschöpfens für sich selbst zu finden.



Zur Durchführung der Integrative Fahrten


Es hat sich im Laufe der Jahre bewährt, die integrativen Fahrten i.d.R. um die 25 Teilnehmer zu gestalten. Somit wird einem “Massenbetrieb”, in dem die Individualität des Einzelnen untergeht, entgegengewirkt. Es muss Platz sein, um auf die individuellen Möglichkeiten der z.T. mehrfach-Schwerstbehinderten schnell und effektiv reagieren zu können.


Aus o.g. Betrachtung ergibt sich in Berlin und Brandenburg im Rahmen der Evangelischen Jugendarbeit ein Bedarf von 4 verschiedenen Fahrten (differenziert nach Zeit und den individuellen Möglichkeiten der Behinderten) mit insgesamt 100 Kindern und Jugendlichen (50 Behinderten - 50 Nichtbehinderten). Unterschiedliche Unterkünfte, wie z.B. gänzlich rollstuhlgerechte Unterkünfte bieten den unterschiedlich Behinderten ideale Voraussetzungen. Diese Teilnehmerzahlen sind Erfahrungswerte der vergangenen Jahre.


Die Jugendlichen ohne Behinderungen sind Interessierte aus Jungen Gemeinden, Gymnasien, Studenten etc., die sich auf ein Studium im sozialen Bereich, Arbeit mit Behinderten etc. vorbereiten wollen, oder auch einfach an dem Thema „Integration“ Interessierte.


Junge Menschen erhalten sachliche Informationen zu den verschiedenen Behinderungsarten, ebenso werden entsprechende Behinderten-Einrichtungen besucht. Praktische fachliche Anleitung liefert den Jugendlichen die notwendige Voraussetzung zum Umgang mit den behinderten Kindern und Jugendlichen der Fahrt. Gleichfalls werden Informationen zu verschiedenen Therapien gegeben. Die kritische Analyse von Stadträumen auf die Belange Behinderter soll auf deren Probleme besonders hinweisen und zu einer neuen Sichtweise führen. Zu entsprechenden Themen (Behinderungsarten, Therapien, ...) erhalten die Teilnehmer weiterführende Materialien ausgehändigt.



Ausschreibung der Fahrten


Die Ausschreibung erfolgt bundesweit über unseren Verein, über das Amt für evangel. Jugendarbeit in Berlin und Brandenburg, über die Homepage unseres Vereins und des Amtes für evangel. Jugendarbeit in Berlin und Brandenburg im Internet, über kirchliche Print-Medien, in entsprechenden Rundschreiben der Jugendarbeit, andere entsprechende Medien, etc ... .





© Eltern helfen Eltern e.V. in Berlin-Brandenburg, Schottstraße 6, 10365 Berlin, Telefon (030) 55 49 10 44
Stand: 20. Juni 2002